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An die Eltern von Kindern mit Klumpfüssen

von Prof. Ignazio Ponseti, Universität in Iowa
übersetzt von Dr. Marc Sinclair, Altonaer Kinderkrankenhaus, Hamburg

Peer Review Status: Externally Peer Reviewed
Creation Date: December 1997
Last Revision Date: January 1998


Eltern, die ein Kind mit ein- oder beidseitigen Klumpfüssen gebären, kann versichert werden, dass bei fachgerechter Behandlung und sonst normalem Kind, diese Füsse normale Form und Funktion haben werden. Der korrekt behandelte Klumpfuss bedeutet keine Behinderungen und ist den Anforderungen eines normalen, aktiven Lebens gewachsen.

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Die allermeisten Klumpfüsse können im Kleinkindalter durch sanfte Manipulation und Gipsbehandlung innerhalb sechs bis acht Wochen korrigiert werden. Die Behandlung beruht auf genauer Kenntniss der Funktion und Anatomie des Fusses und der biologischen Antwort von Muskeln und Bänder auf korrigierende Massnahmen durch vorsichtige Manipulation und Gipsbehandlung.

Weniger als 5% der Neugeborenen mit Klumpfüssen haben hochgradige, kurze und plumpe Füsse mit steifem Bandapparat, welche auf die Dehnungen und Manipulationen nicht reagieren. Diese Kinder benötigen unter Umständen eine chirurgische Korrektur. Die Ergebnisse sind jedoch besser, wenn Gelenk- und Knocheneingriffe vermieden werden können. Ein chirurgischer Eingriff hat immer einen Vernarbungsprozess zur Folge, der zu Gelenksteife und Muskelschwäche führt. Eine zunehmend behindernde Einschränkung nach dem Jugendalter ist eine häufige Folge.

Die Behandlung sollte innerhalb der ersten 2 Lebenswochen beginnen um den Vorteil der anfänglich hohen Elastizität von Bändern und Gelenkkapseln für die Therapie zu nutzten. In unserer Therapie werden diese Strukturen wöchentlich mit weichen Manipulationen gedehnt. Ein Gips wird nach jeder Behandlung angelegt um die erreichte Korrektur zu halten und die entsprechenden Strukturen aufzudehnen. Hierbei werden die einzelnen Fussknochen graduell in ihre richtige Position gebracht.

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Fünf bis sieben Gipse , welche von den Zehen bis zum Oberschenkel reichen sollten ausreichen, die Klumpfussdeformität zu korrigieren. Dabei wird das Kniegelenk in einem rechten Winkel eingegipst. Sogar Klumpfüsse mit sehr steifem Bandapparat benötigen nicht mehr als 8 oder 9 Gipse um ein Maximum an Korrektur zu erreichen. Die Achillessehne wird häufig vor anlegen des letzten Gipses in der Praxis durch eine kleine Stichinzision durchtrennt um die Korrektur zu vervollständigen. Der anschliesend angelegte Gips wird 3 Wochen belassen. Zum Zeitpunkt der Gipsentfernung hat sich die Sehne in ihrer korrigierten Länge regeneriert. Nach 2 Monaten Therapie sollte nun der Fuss ein etwas überkorrigiertes Erscheinungsbild haben.

figure 3

Nach einer solchen Klumpfusskorrektur besteht die Tendenz eines Rückfalls (Rezidiv). Um dies zu verhindern muss nach Abnahme des letzten Gipses eine Schiene ganztags (24Stunden) über zwei bis drei Monate getragen werden. Anschliessend muss diese nur Nachts für weitere 2 bis 4 Jahre angelegt werden. Die Schiene besteht aus einem paar hohen Schuhen, die mit einer Metallschiene verbunden sind. Die Länge der Metallschiene entspricht ungefähr dem Schulterabstand des Kindes. Die Schuhe sind jeweils 70 Grad nach aussen rotiert und fest an der Metallschiene befestigt. Oberhalb der Ferse muss im Schuh eine Pelotte eingebracht werden um das herausrutschen des Fusses aus den Schuhen zu vermeiden. Im allgemeinen benötigt das Kind eine kurze Eingewöhnungzeit, da es die Beine nicht unabhängig voneinander bewegen kann. Die Kinder lernen jedoch rasch beide Beine gleichzeitig zu bewegen und sind dann nicht mehr durch die Metallschiene gestört. Bei Kindern mit nur einem Klumpfuss wird der nicht betroffene Fuss in nur 40 Grad Aussendrehung an die Schiene angebracht.. Tagsüber tragen die Kinder in dieser Zeit normale Konfektionsschuhe.

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Da der Orthopäde die Position der einzelnen Fussknochen und deren Korrekturgrad mit seinen Fingern ertasten kann sind Röntgenbilder nur in sehr komplizierten Fällen notwendig.

Sollte es trotz korrekter Schiene zu einem Rückfall der Deformität kommen, kann eine einfache Operation im Alter von 2 bis 3 Jahren notwendig werden. Die Operation beinhaltet eine Verlagerung der Sehne des Musculus tibialis anterior auf das dritte Os cuneiforme (Vorfussknochen).

Schlechte Resultate nach Manipulation und Gipsbehandlung von Klumpfüssen in vielen Kliniken sind Hinweis dafür dass der Korrekturversuch auf Grund falscher Technik unzureichend war. Ohne fundierte Kenntniss der Anatomie und der Bewegungsabläufe eines normalen Fusses als auch der Abweichungen davon im Klumpfuss ist es schwer die Deformität zu korrigieren. Falsch durchgeführte Manipulationen und Gipsbehandlungen können die Klumpfussdeformität weiter verschlechtern und somit eine Behandlung erschweren oder unmöglich machen.

Orthopäden mit nur wenig Erfahrung in der Klumpfussbehandlung sollten nicht versuchen die Deformität zu korrigieren. Obwohl sie bei Klumpfüssen geringeren Grades Erfolg haben können, benötigen schwerere Fälle einen erfahrenen Orthopäden. Bevor eine chirurgische Korrektur erwogen wird sollte der Patient in einem Institut mit Erfahrung in nichtoperativer Klumpfussbehandlung vorgestellt werden.

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